St. Petri Schützenbruderschaft Viersen-Hoser


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Chronik

St. Petri Schützenbruderschaft von 1753 Viersen Hoser e. V. Auszug aus der Vereinschronik
Vorgeschichte der Gemeinde
Die wohlorganisierte große Gemeinde Viersen mit ihrem regen Gemeinde- und Bruderschaftsleben bestand bis zur Erlangung der Stadtrechte in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts aus einzelnen Honschaften oder Vrogen.
Die Viersener Honschaften waren seit alters acht. Dieselben heißen in alter und heutiger Form: 1. Das Dorf oder Viersche, Viersen schlechthin, 2. Rinneke, von dem kleinen Bache oder Rinne, heute Rintgen, 3. Rathusen, die Besiedlung auf der Rodung, heute Rahser, 4. Holthusen und Boukholt, die Behausungen im Gehölz und Buchenwald , heute Hoser und Bockert, 5. Bekebruke, bruchiges Gelände am Bach, Bekbrock, Bebrock, heute Beberich, 6. Hammrath, von ham = Krümmung am Bach, also Rodung am Hammer Bach, 7. Ummrath, heute Ummer, 8. Heimrath, heute Heimer. Schon in der ältesten Zeit findet sich Viersen in zwei Seiten geschieden, die sogenannte Kirchseite (Rahser,Dorf, Rintgen, Hoser, Bockert) und die sogenannte Lakseite (Beberich Hamm, Ummer, Heimer).
Bruderschaftsgründungen in Viersen
Betrachten wir die Vereinsgründungen im Rheinland zwischen 1400 und 1700 so zeigt sich eine starke Konzentration entlang der Rheinschiene und besonders im linksrheinischen Bereich zwischen Aachen und dem Niederrhein. Dies deutet darauf hin, dass das frühe Schützenwesen nicht nur über Handelsstraßen seine erste Ausbreitung erfuhr, sondern auch die wirtschaftliche Verflechtung mit der Region Flandern die Entstehung der ersten Schützenver- einigungen als sehr wahrscheinlich erscheinen lassen. Auch kann man feststellen, dass diese Vereinsform keine allein städtische Organisationsform war, sondern durchaus schon ländliche Bereiche einbezogen waren.
Viele „ Quellen“ als Nachweis für das Alter von Vereinen würden ihre Glaubwürdigkeit verlieren, wären da nicht unsere in der Stadt Viersen erhaltenen historischen Schützenketten mit den aussagefähigen Silberplatten.
Die St. Sebastianusbruderschaft Viersen, nach geschichtlicher Überlieferung die erste in der Gemeinde, soll bereits im Jahre 1408 bestanden haben. Wenn sich auch bis heute keine urkundlichen Bestätigungen gefunden haben, so sind Aussagen des Viersener Goldschmieds Herr Anton Hamm sen. über die Einschmelzung von Silberplatten mit der Jahreszahl 1408 oder 1412 im Anfang der 50er Jahre des 19. Jahrhunderts vorhanden. ( Lohmann )
Im Jahre 1629 wurde neben der Viersener St. Sebastianus- bruderschaft die St Matthias Bruderschaft Hamm gegründet. Von nun an teilten sich die Mitglieder der einzelnen Honschaften auf beide Bruderschaften auf. Zur St. Sebastianusbruderschaft gehörten die Honschaften der Kirchseite, und zur St. Matthias Bruderschaft gehörten die Honschaften der Lakseite. Im Zuge der stärkeren Besiedlung ab dem 17. Jahrhundert ( Viersen zählte um das Jahr 1700 ca. 4300 Einwohner) bildeten sich in den einzelnen Honschaften Schützen- und Junggesellen- Bruderschaften.
Gründungszeitraum der Hoser- und Bockerter Bruderschaft
Im Einzelnen kann man zu den Gründungsjahren der Bruderschaften nur die in den silbernen Schützenketten enthaltenen Platten als belegbaren Beweis anführen.
Einen Einblick in die ehemalige Schützenherrlichkeit gewährt uns die amtliche Aufstellung, vom 16 Januar 1795 über das Silber sämtlicher Viersener Honschaften, das als Kriegskontribution an den französischen Befehlshaber nach Geldern ausgeliefert werden musste, aber bald wieder zurückkam. Es bestand aus 172 Platten und sonstigen Schmuckstücken im Gewichte von 10 ½ Pfund. Die Aufstellung die sich im Gemeindeprotokoll von 1795 befand, besagt:
„ Hoeser en Bockender Vroeghe: hebben Matthys Drincks en Martinus Neetix het Silver der Hoser en Bockender Vroeghe Schuttereyen bestan hebbende in Vierthein loofe Platten gewoogen vier en twintigh Loth“. (Lohmann)
Das Silber wurde bereits am 18. August 1795 gegen Empfangsbescheinigung wieder zurückgegeben weil die Gemeinde anderweitig ihren Kontributionspflichten nachgekommen war.
Diese benannten 14 Silberplatten befinden sich noch heute in den beiden historischen Schützenketten der Sektionen Hoser und Bockert.Der aus Silber gegossene Vogel mit der Ziselierung: „Hoser und Bockert Vrogen 1763“ ist aller Wahrscheinlichkeit nach vor der Auslieferung nach Geldern in Sicherheit gebracht worden wie einige andere Schützensilber der Viersener Bruderschaften.
9 Silberplatten und der silberne Vogel aus dem Hoser tragen die Jahreszahl 1763
Auch die Tagebuchaufzeichnungen des Lehrers Wilhelm Roten geben einen für unsere Geschichte wertvollen Einblick in den Entstehungszeitraum der Viersener Bruderschaften und Schützengesellschaften. So schrieb er folgendes in sein Tagebuch:
„ Im Jahr 1744 hab ich Wilhelm Roten den Vogel abgeschossen in der Hammer Frog und Henrikus Plattes und Peter Nelsen sind Börg vor et Silber gewesen. Den ersten Sonntag im Mai haben wir das Königs- Spiel in unserm Haus gehabt 2 Tage, den 3ten Tag sind wir sämtlich nach dem Dorf getrocken und den 4ten Tag bin ich als König und Peter Hannes als Mayor wieder nach dem Dorf getrocken und haben uns fahren lassen auf en Kutschkaar auf den Kirchplatz um die Lehn ( um den Weisenstein). Dasselbige Jahr hat Bongarts Knecht Johann der Vogel abgeschossen in das Beberich, und Peter Nopp in das hamm,
Jakobus Holzapel in das Bockert, Matthias Bellen in das Rinchen, Matthias Bliek oder Steinwegs in das Dorf und Johannes Weiers bei die Bastianesbruderschaft “ (Lohmann)
Dieses beweist ein silbernes Schild 7,5 x 9,5cm mit getriebenem ovalem Spiegel und mit Rankmotiven verziertem Rand. In der Mitte sind zwei Männer in Festtagskleidung mit Wanderstab abgebildet. Aufschrift:
„Hendrich : Hennes Jacobus : Holtappels 1763“ Meisterzeichen im unteren Bereich der Platte.
Legt man die Tagebuchaufzeichnungen des Lehrers Wilhelm Roten und die vorhandene Silberplatte zu Grunde, ist der Beweis erbracht, dass es bereits vor den von unseren Vorfahren benannten Gründungsjahren: 1753 Hoser oder 1763, Bockert im Jahr 1744, eine Schützengesellschaft, Junggesellenvereinigung oder Bruderschaft gegeben hat.
Zu den Gründungsdaten von Schützengesellschaften kann in den meisten Fällen keine historisch gerechtfertigte Aussage gemacht werden, denn häufige Neugründungen, Abspaltungen und Trennungen sowie der Wandel bürgerlicher Vereinsformen unter dem Einfluss des jeweiligen Staates und der Gesellschaft, lassen vieles im Dunkel der Geschichte verschwinden.
Die Namensgebung der St. Petri Bruderschaft ist zurückzuführen auf die Viersener Beghinenklause, die am Tage „ Petri Stuhlfeier“, 18.Januar 1424, urkundlich als Beghinen- Konvent mit der Genehmigung des Pfarrers Heinrich van Ryneren errichtet wurde. Im Jahre 1439 konsekrierte der Weihbischof Johannes Schleeter von Köln die 1438 errichtete Kapelle zu Ehren des hl. Paulus. Seitdem hieß das Kloster Sankti- Pauli. Vom Kloster ausgehend führte ein Weg zum Hoserberg oder Junkersberg (heute Lichtenberg), wo in älterer Zeit der Junkershof stand. Von hier aus führte ein unterirdischer Gang am Peters Heiligenhäuschen vorbei unter dem Pittenberg zum Portenhof in Unterbeberich. Das Hoser St. Petri Kapellchen, welches unsere Namensgebung begründet, stand um 1700 an dem Fachwerkhaus auf dem Lichtenberg, welches „ Kappellkes- Mösch“ Heinrich Stappen -Schwiegervater von Heinrich Winz- gehörte und bewohnte. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Hoser- und Bockerter Bruderschaft ihre Schutzpatrone Petrus und Paulus aus religiöser Bindung zum nahegelegenen Kloster erwählte, welches sich im Gründungszeitraum der Bruderschaft durch seine Wohltätigkeit große Verdienste um die Gemeinde erwarb.
Neugründungen, Vereinszusammenschlüsse, Satzungs- und Statutengebungen im Laufe der Jahrhunderte brachten auch Namensänderungen mit sich.
Mit dem Beschluss der neuen Satzung auf der Generalversammlung vom 22.11.1987 und der Inkrafttretung mit der Eintragung ins Vereinsregister am 30 11. 1988 ist vorerst das Kapitel der Namensgebung abgeschlossen.
Trennung der Hoser und Bockerter Vroge
In der Hoser und Bockerter Vroge bestand eine Schützengesellschaft, die im Jahre 1753 gegründet wurde und seit dem Jahre 1763 als gemeinschaftliche Gesellschaft für die beiden Sektionen Hoser , Bockert und Pittenberg galt.
Die Hosser und Buukers Frogen 1763, so steht es auf dem aus Silber gegossenen Vogel, bildeten gemeinsam eine Schützengesellschaft, die sich im Zuge der zunehmenden Besiedlung und Einwohnerzahl im Jahre 1852 trennte, ihren Silberschatz teilte, und den silbernen Vogel nach Losentscheid an das Hoser gab. Die Bockerter Schützen übernahmen das Gründungsjahr der gemeinschaftlichen Gesellschaft 1763 und nannten sich mit der Statutengebung vom 24. Juni 1888 St. Peter und Paul Bruderschaft Viersen-Bockert.
Gründung der St. Petri Bruderschaft Hoser
Soziales Engagement und kirchliche Bindung
Durch die Statutengebung im Dezember1853, welche durch den Oberpfarrer Schröteler genehmigt wurde, und einige Tage später die Billigung des Bürgermeisters fand, konnte die Bruderschaft ihre angestrebten sozialen und karitativen Aktivitäten realisieren.
So nahm die St. Petri Bruderschaft 1854 ihre Tätigkeit auf. Sie richtete im September 1854 eine Krankenkasse ein. Als aber dann in den 80er Jahren des 19.Jahrhunderts seitens des Staates die gesetzlichen Krankenkassen eingeführt wurden, erwies sich die Bruderschaftskasse als nicht mehr notwendig. Im Jahre 1902 wurde sie zur Sterbekasse umgewandelt.
Im Jahre 1870 wurde eine Vereinsfahne angeschafft. Hergestellt in alter niederrheinischer Maltechnik zeigt sie in der Mitte des Bildes St. Petrus und im linken unteren Teil die St Remigius Kirche. Die Fahne, die auf verschiedenen Dachböden , zuletzt auf dem des ehemaligen Vereinslokals Haus Markett , drei Kriege überstanden hat, wurde u. a. durch Brandeinwirkungen arg in Mitleidenschaft gezogen. Um sie der Bruderschaft noch längere Zeit zu erhalten,
wurde sie auf Initiative des 3. Zuges im Jahre 1987 von einer Kevelaerer Fahnenfabrik restauriert.
Über ihr soziales Engagement hinaus spendete die Bruderschaft auch für ihre Verhältnisse großzügig für kirchliche Zwecke, welche hier im einzelnen nicht benannt werden müssen.
Neben der Bruderschaft bestand in der Sektion noch eine Schützengesellschaft, die nach einer „ denkwürdigen Sitzung im Kohlen’schen Saale“ bei der fast alle Mitglieder beider Gesellschaften erschienen waren, die Vereinigung der St. Petri Schützengesellschaft und der Bruderschaft beschlossen.
Die St. Petri Schützengesellschaft besteht seit dem Jahre 1900 nicht mehr. Sie übergab die Vereinsfahne und das Vermögen an die Bruderschaft. Die Aufgaben der Schützengesellschaft, wozu vornehmlich die Pflege des Sektionskreuzes gehörte, wurden von der St. Petri Schützenbruderschaft Hoser übernommen und bis zum heutigen Tag weitergeführt.
Versammlungsprotokoll der Auflösung der Hoser Schützengesellschaft
Es folgten ruhige, ungestörte Jahre aus Vereinssicht. Auch das Vereinsgesetz aus dem Jahre 1908 erleichterte den organisatorischen Ablauf, was die Vereinsfeste betraf. So fand ein reges Vereinsleben mit Teilnahme an kirchlichen Festen, Vogelschuss, Schützenfesten und Besuchen bei befreundeten Bruderschaften statt.

Der Ausbruch des 1. Weltkrieges beendete diesen Zeitabschnitt. Das Vereinsleben kam fast gänzlich zum Erliegen. Festlichkeiten wurden keine abgehalten. Im Jahre 1915 waren bereits 54 Mitglieder eingezogen, welche mit sogenannten Liebespaketen aus der Heimat bedacht wurden. 9 Mitglieder kehrten aus dem Krieg nicht zurück.
Nach dem Kriege wurde das Vereinsleben von den Besatzungsbehörden und den deutschen Behörden mit einigen Auflagen und Verboten eingeschränkt, die aber nach kurzer Zeit wieder aufgehoben wurden .
Man kann trotz der Einschränkungen durch die wirtschaftliche und konjunkturelle Entwicklung, sowie die zum Teil sprunghafte Zu- und Abnahme der Arbeitslosenzahlen, die Jahre zwischen 1919/1920 und 1929/1930 als das Jahrzehnt des Festefeierns bezeichnen. Der Krieg und seine Entbehrungen führten zu einem großen Nachholbedürfnis. Es ist den Aufzeichnungen zu entnehmen, dass die in den Jahren 1914- 1918 ausgefallenen Feste nun um ein Vielfaches vermehrt wurden.
Im Jahre 1926 wurde unter dem Präsidenten Georg Nowack eine neue Vereinsfahne angeschafft. Eine Bonner Fahnenfabrik wurde beauftragt die Fahne nach den Vorgaben der Bruderschaft anzufertigen. Auf der Vorderseite ist im Mittelpunkt der Schutzpatron der Bruderschaft St. Petrus auf rotem Samt dargestellt. Die Rückseite zeigt zwei sich umfassende Hände, die von Sprüchen umrahmt sind: „Froher Sinn, treues Herz, unser Hoffen himmelwärts“ „ Eintracht macht stark“ Der Wert der Fahne
Vereinsfahne der St. Petri Schützenbruderschaft liegt darin begründet, dass es sich bei den Figuren um wertvolle Handarbeit und bei den Schriften um alte Kantille- Stickerei handelt.
Am Sonntag den 27.06.1926 wurde die Fahne unter großer Anteilnahme der Sektion durch den Herrn Pfarrer Gilles in der Pfarrkirche St. Peter geweiht. Durch den Gebrauch und die Wirren des 2. Weltkrieges war die Fahne in einem bedauernswerten Zustand. Dank des Einsatzes des 3. Zuges und einer großzügigen Spende eines Bruderschaftsmitgliedes konnte 1988 der Beschluss umgesetzt werden, die Fahne von einer Kevelaerer Fahnenfabrik restaurieren zu lassen, wobei Figuren und die gesamte Kantille- Stickerei erhalten werden konnten.
In dieser Zeit liegt auch die Gründung des heutigen „Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften“. Er kann als eine eher kirchlich orientierte Organisation betrachtet werden, ein Sammlungsversuch der vielen kirchlich- katholisch gebundenen oder aus kirchlichen Bruderschaften hervorgegangenen Vereine. Die Erzbruderschaft vom hl. Sebastianus, ein Bund rheinischer und westfälischer Schützen , wurde am 27.02.1928 von Vertretern von 300 Schützenvereinigungen im Saal der Kölner Bürgerschaft gegründet und gab sich die Devise : „Glaube, Sitte, Heimat! Aus alter Wurzel neue Kraft!“ Diese Verbindung wurde unter anderem auch von dem Kölner Bürgermeister Konrad Adenauer unterstützt.
Schützenvereine zwischen Führer und Vaterland 1933 – 1939
Noch bis zur Machtübernahme durch Hitler zu Beginn des Jahres 1933 halten sich die Vereine – und hier insbesondere die der katholischen Kirche nahestehenden- in ihren politischen Aussagen im großen und ganzen sehr zurück, soweit sie den National- sozialismus nicht strikt ablehnen und dies auch deutlich kundtun.
Vor allem im Rahmen von Veranstaltungen der Erzbruderschaft vom hl. Sebastianus wird immer wieder vor den Nationalsozialisten im allgemeinen und Hitler im besonderen gewarnt. Dies wird anders mit der Machtergreifung im Jahre 1933. Durch die nun von der Regierung propagierte positive Einstellung zum Christentum, das Reichskonkordat vom Juli 1933, aber vor allem im Glauben, einen Mitstreiter gegen den Marxismus gefunden zu haben, stellt sich die Erzbruderschaft in den ersten Jahren des Dritten Reiches auf die Seite des früheren Gegners, und dies in einer Form , dass man ihr opportunistisches Verhalten bis hin zu unterwürfiger Anpassung an den Zeitgeist vorwarf. So finden wir z.B. in einem Runderlaß vom 25.08 1933 die Auffassung, dass es Ehrensache jeder Schützenbruderschaft ist, der neuen Regierung treue Gefolgschaft zu leisten.
Seit wann der Verband dann wieder auf Konfrontationskurs zu den Machthabern des Dritten Reiches ging, der schließlich zur Auflösung der Erzbruderschaft am 06. März 1936 durch die Gestapo führte, ist schwer abzuschätzen. Schon das Auflösungsdatum zeigt aber, dass der Bruch einige Zeit vor der Enzyklika Pius’ XI aus dem Jahr 1937 „Mit brennender Sorge“, in der der Nationalsozialismus der Falschmünzerei ( im übertragenen Sinne) bezichtigt wurde, stattgefunden haben muss. Ein Einschreiten des Kölner Generalvikariats gegen die Auflösung der Erzbruderschaft konnte aus juristischen Gründen nicht erfolgen, weil die Erzbruderschaft nicht mit ausdrücklicher Genehmigung aus Rom errichtet wurde und somit auch keine rein kirchliche Bruderschaft war. Dieser Umstand gab der Gestapo tatsachlich den Weg zur Auflösung frei und eine Berufung auf das Reichskonkordat wäre sinnlos gewesen.
Mit dem Ausbruch des Krieges 1939 ging das Vereinsleben immer mehr zurück. Man reagierte in dem man die Aufzeichnungen einstellte, das Vereinsvermögen sicherte, ,Schützensilber und Fahnen versteckte, um zu retten was noch zu retten war.
Dies alles zeigt, warum es nur wenig Annäherung zwischen dem Nationalsozialismus und dem Schützenwesen geben konnte. Die demokratische Tradition der Vereine war wesentlich älter als die des Staates oder des Raumes, in dem sie existierten. Der Eingriff in ihre jahrhundertealten Rechte der Selbstbestimmung – z.B. bezüglich der Wahl der Vereinsvorstände konnte in einem solch traditionsverbundenen Vereinswesen nicht ohne Wiederstand hingenommen werden.
Auch unsere Bruderschaft war von den Irrungen der Zeit betroffen. Durch den Wegfall des Verbandes fiel es den nationalsozialistischen Organen nun wesentlich leichter, ihre Vorstellungen der Trennung von Staat und Kirche, d.h. die Entkonfessionalisierung des öffentlichen Lebens, durchzusetzen. Vom Verbot, in Uniform an Prozessionen teilzunehmen und dem Verbot des gemeinsamen Kirchgangs, reichten die Maßnahmen bis zur erzwungenen Namensänderung, wonach sich einerseits Schützenbruderschaften in Schützenverein etc. umbenennen und auf die Angabe von „ St.“ verzichten mussten.
So fand im Jahre 1938 die Neugründung der Schützengilde Hoser statt. Der Schützengilde stand der Vereinsführer Paul Neikes vor. In den Jahren 1938 und 1939 fanden im Hoser die letzten Schützenfeste des tausendjährigen Reiches unter Teilnahme einiger Parteigenossen der Stadt Viersen mit den Schützenkönigen Heinrich Prenten und Willi Sieben statt.
Jedoch in ihrer Form und Vereinsstruktur zeigte die Schützengilde keinen Bestand für einen Neubeginn nach dem Kriege auf. Sie blieb in der Bruderschaftsgeschichte nur eine bedauerliche Episode.
Neuorganisation nach 1945
Zur völligen Abrüstung und Entmilitarisierung Deutschlands werden alle Organisationen einschließlich der Kriegervereine und aller anderen militärischen und halbmilitärischen Organisationen zusammen mit ihren Vereinen und Unterorganisationen, die den Interessen der Erhaltung der militärischen Tradition dienen, völlig und endgültig aufgelöst, um damit für immer der Wiedergeburt oder Wiederaufrichtung des deutschen Militarismus und Nazismus vorzubeugen. So kommt es Ende des 2.Weltkrieges zum Bruch, denn ausgehend vom Potsdamer Abkommen werden nun auch – anders als nach dem 1.Weltkrieg – die Schützenvereinigungen, die sich inzwischen nicht zu rein kirchlichen Organisationen umgewandelt hatten, aufgelöst, verboten, und deren Vermögen wenn vorhanden, eingezogen oder beschlagnahmt. Doch schon relativ kurz nach dem Krieg endete die „ endgültige Auflösung“ der Schützenvereinigungen .
Die ehemalige Erzbruderschaft vom hl. Sebastianus konstituierte sich unter dem Namen „ Zentralverband der historischen deutschen Schützenbruderschaften“ bereits im Januar 1946.
Im Jahre 1952 feierte die wiederentstandene St. Petri Bruderschaft unter dem Präsidenten Josef Classen ihr erstes Schützenfest mit ihrem Schützenkönig Gustav Ferfers. Die Berechtigung zur Königswürde musste auf Grund der Tatsache, dass Gustav Ferfers evangelischer Konfession war, beim damaligen Pfarrer Andreas Gilles schwer erstritten werden, was nach mehreren Gesprächen auch gelang.
200 Jähriges Jubelfest feierte man im Jahre 1953 mit dem Jubelschützenkönig Walter Hennes, seinen Ministern Cornelius Kaspers und Peter Hilgers. Präsident Josef Classen konnte Bruder- schaftsvertretungen aus der ganzen Stadt begrüßen. Der Hoser Sängerbund und der Solist M. Gockel verschönten den Festakt. In der Festrede, gehalten von Dr. Heilo Fritz, unterstrich er die Auffassung, die Bruderschaften im allgemeinen und die St. Petri Bruderschaft im besonderen gehörten nicht ins Museum, sondern ins Volk. Sie lieferten einen Beitrag zur Erneuerung des gemeindlichen völkischen Lebens und praktisch angewandter Demokratie.
Am 27. Februar 1955 wurde an der Grenze der Pfarrgemeinde im Hoser unser Pastor Johannes Lennartz empfangen und durch die festlich geschmückten Straßen zur Kirche geleitet. Als unser Präses begleitete er uns mit klugem Rat und freundschaftlicher Verbundenheit die vielen Jahre bis zu seiner Verabschiedung am 27.09.1985 und darüber hinaus. Wir sind ihm zu großem Dank verpflichtet.
In den folgenden Jahren bis 1963 lenkte Präsident Josef Classen die Geschicke der Bruderschaft. Der Neubeginn und die Bewältigung der schwierigen Nachkriegszeit waren unter anderem seine Verdienste.
Ab dem Jahre 1963 bis 1970 übernahm Präsident Willi Cuypers die Leitung der Bruderschaft. Ihm gelang ein neuer Aufschwung und eine Reihe unvergessener Schützenfeste.
Willi Cuypers, Präsident von 1963 - 1970
Das Amt des Präsidenten übernahm von 1971 bis 1976 Paul Leenen, der in seiner unverkennbaren Art die Bruderschaft durch einen Schwierigen Zeitabschnitt führte. Ihm verdanken wir neben schönen Schützenfesten eine gute Entwicklung und Festigung unseres Vereinslebens.
225 Jähriges Jubelfest feierte man unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister H.W. Gerke im Jahre 1978 mit dem Präsidenten und Jubelschützenkönig Hubert Röttges und seinen Ministern Gerd Glasmachers und Helmut Greven. Im festlich geschmückten Saal von Haus Markett wurde am 02. Juli das Festbankett von Vizepräsident Hans Mörschen eröffnet. Zahlreiche Ehrengäste, Hoser Vereine und befreundete Bruderschaften machten ihre Aufwartung. In seiner Festrede zeichnete Dr. Dieter Pesch den Werdegang der Bruderschaft auf und betonte, dass der Verlust der historischen Basis wohl unerträglich sein würde. Gerade in der heutigen Zeit käme das Geschichtsbewusstsein in der Bevölkerung wieder zur Geltung.
Der Meisterchor Doppelquartett Lyra verlieh dem Abend mit seinen Weisen einen festlichen Rahmen.
In den Jahren 1979 bis 1981 und 1985 bis 1993 war Theo Pypers Präsident unserer Bruderschaft. Seine langjährige Amtszeit spricht für sich. An Treue zum Verein und Pflichtgefühl für unsere Sache wird er uns immer ein Vorbild sein.
Die Präsidentschaft von Hans Moerschen war von 1981 bis 1985.
Während seiner Amtszeit fanden glanzvolle Schützenfeste unter der Beteiligung der ganzen Sektion statt.
Am 20.04.1986 begann die Amtszeit unseres Pastors Josef Lind. „Ich habe mein ganzes Herz für St. Peter“, sagte Pfarrer Josef Lind bei seiner Einführung in die Pfarrgemeinde. Unser Leitwort: Glaube- Sitte- Heimat prägte er in einzigartiger Weise. „In erster Linie bin ich nicht Priester sondern Christ“, waren seine Worte. Diesem Anspruch wurde er immer vollauf gerecht.
Am Montag, den 23. Februar 1998 verstarb unser Präses und Freund unerwartet im Alter von nur 58 Jahren. Mit schmerzlichen Gedanken vermissen wir ihn und seinen Frohsinn bei unseren Festlichkeiten und Versammlungen. Mit Ausdruck und Hingabe lebte er für unsere Bruderschaften und den ökumenischen Gedanken. Wir alle sind dankbar, ihn erlebt zu haben.
Einen erneuten Aufschwung erlebte die Bruderschaft mit der Amtszeit unseres Präsidenten Willi Wächter von 1993 bis 1999. Viele Aktivitäten, neue Mitglieder, eine zum Teil turbulente Zeit mit anstrengenden Auseinandersetzungen und herausragenden Ergebnissen werden mit seinem Namen verbunden bleiben. Vor allem die Mehrung des Vereinsvermögens mit der Anschaffung des neuen Schützensilbers und der Bau des Schützentreffs sind seiner Beharrlichkeit zu verdanken.
Um einer Beschädigung des alten und für unsere Bruderschaft außerordentlich wichtigen Zeitdokuments vorzubeugen, wurde die Schließung der historischen Schützen-Kette mit der 30. Silberplatte aus dem Jahre 1993 laut Beschluss der Generalversammlung vom März 1993 vollzogen. Es wurde nach reiflicher Überlegung die Anschaffung eines neuen Königssilbers, Ministersilbers, und einer Präsidentenkette beschlossen. Diese Arbeiten wurden nach unserem Entwurf von dem Gold- und Silberschmiedemeister Rolf Krappen aus Mönchengladbach angefertigt.
1 Königsplakette mit Darstellung des Sektionskreuzes und einer Kette mit 10 wappenförmigen Schildern zur Eingravierung der Namen der Schützenkönige und Minister in den folgenden Jahren.
Gewicht: 964g. 2 Ministerplaketten ebenfalls mit Darstellung des Sektionskreuzes mit Kette. Gewicht je Plakette: 216g
1 Präsidentenplakette mit Darstellung unseres Schutzpatrons des hl. Petrus mit Schlüssel. Vorlage vom Altarflügel der ehemaligen Taufkirche St. Johann Baptist, Worms, um 1250. Gehalten von einer Kette mit 19 runden Elementen mit eingelegten Mispelblüten, welche unsere Verbundenheit zu unserer Heimatstadt bezeugen. Gewicht: 745g. Mit der Segnung des Schützensilbers am 03.03.1996 durch Pastor Josef Lind wurde eine jahrhundertealte Tradition fortgesetzt.

Im Mai 1997 plant die Kirchengemeinde ein Pfarrheim zu errichten. Mit den Bruderschaften St. Peter und Paul und St. Petri wird ein Vertrag ausgearbeitet, wonach eine Unterkellerung mit einem besonderen Zugang vorgesehen ist. Die Bruderschaften verpflichten sich , alle Baukosten für die Teilunterkellerung und den Innenausbau zu tragen. Dieser Kraftakt wird mit zum Teil größtem persönlichem Einsatz der Präsidenten Richard Sammer und Willi Wächter durchgeführt. Während der Bauphase kommt es wegen einer nicht im Bauplan ausgewiesenen Vergrößerung der Unterkellerung zu einer schweren Belastungsprobe für die Vertragspartner, die aber im Laufe der Zeit bewältigt werden kann. Der Schützentreff , der seit 1998 von den beiden Bruderschaften gemeinsam betrieben wird, ist eine große Bereicherung für das Bruderschaftsleben in unserer Pfarrgemeinde und ermöglicht ausgezeichnete Jugendarbeit.
Mit der Wahl des Präsidenten Hans Phlippen im Jahr 1999 wurde die Vereinsarbeit erfolgreich weitergeführt. Nach Ausscheiden unsers Präsidenten aus gesundheitlichen Gründen im Jahre 2000, übernahm zunächst Helmut Greven kommissarisch die Präsidentschaft. Im Jahre 2001 wurde Helmut Greven zum Präsidenten gewählt.
Die Chronik unserer Bruderschaft wird zurzeit überarbeitet. Wir bitten daher alle Leser dieses Auszuges, uns in der Auffindung vereinsrelevanter Fakten behilflich zu sein, um Lücken, die durch fehlende Unterlagen im Laufe der Jahrhunderte entstanden sind, schließen zu können. Ansprechpartner für die Vervollständigung der Vereinschronik sind Günter Hiepen, Uwe Glasmachers und Helmut Greven.


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